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“Tosti Utility Jacket” von Waffle Patterns

Eine Funktionsjacke selber nähen? Das habe ich lange nicht in Erwägung gezogen. Aber als ich mich auf die Idee eingeschossen hatte, habe ich sie auch umgesetzt, nicht immer freudig, aber hartnäckig. Neben der Hartnäckigkeit braucht man noch das richtige Material und, sehr wichtig, das Wissen wie man dieses richtig verarbeitet. Meine Military inspirierte “Tosti Utility Jacket” von Waffle Patterns entstand im Rahmen meines Jacken-Sew-Along.

In diesem Post findest du eine ausführliche Schnittrezension und meine Tipps zum Vernähen von beschichteten Funktionsstoffen.

Tosti Utility Jacket: Funktionsjacke oder Military Jacke selber nähen

Tosti Utility Jacket von hinten

Schnittmuster “Tosti”

Eine detailreiche Jacke mit Military Elementen. Das Schnittmuster gibt es in den Größen 34-48. Es gibt eine Maßtabelle sowohl für die Körpermaße als auch die Fertigmaße. Die Waffle Patterns Schnittmuster enthalten immer schon die Nahtzugabe.

Details des “Tosti” Schnittmusters

  • normale Passform
  • 2 verschiedene Varianten für aufgesetzte Hüfttaschen
  • 2 verschiedene Varianten für die Brusttaschen
  • Reißverschluss mit Blende
  • wahlweise rückseitiger Saum mit Schlitzen oder ohne
  • abknöpfbare Kapuze
  • hoher oder normaler Kragen
  • Paspeltasche innen
  • kann mit Gürtelschlaufen und Gürtel genäht werden
  • Schulterriegel
  • leichte Taillierung

Das Schnittmuster erhält man als PDF Datei sowohl im DIN A4 als auch im DIN A0 Format. Ich habe den Schnitt bei Die Plotterei plotten lassen. Die Kleberei hätte ich mir nicht antun wollen. In den Dateien kann man Größen ausblenden, wenn man nicht alle ausgedruckt haben möchte.

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Größenauswahl

Das war eine schwierige Kiste, weil das Schnittmuster eigentlich nur ein dünnes Futter vorsieht. Von der Maßtabelle her, hätte ich in eine 36 passen sollen. Ich habe mir aus einem Möbelstoff eine schnelle Probejacke genäht um festzustellen, dass mir auch ohne Futter die 36 zu klein ist. Ich habe mich dann entschlossen, oben herum die Größe 38 zu nähen und zur Hüfte hin auf die 40 zu gehen, weil ich die Jacke winterlich füttern wollte. Bei der 38 in der Schulter war ich etwas zu vorsichtig. Die 40 wäre mir definitiv in der Brust zu weit geworden. Beim nächsten Mal würde ich die 38 einfach in der Schulter etwas verbreitern.

Änderungen

Wie oben beschrieben, habe ich die Hüfte um eine Größe verbreitert. Den Ärmel habe ich um 6 cm verlängert, Vorder- und Rückenteil im Hüftbereich um 8 cm. Die Länge am Oberkörper passt mir. Bei den Fotos der Designerin Yuki muss man immer bedenken, dass sie recht klein ist. Wenn ihr eine Jacke bis über den Po reicht, wäre das bei mir vermutlich nicht der Fall.

Den Kragen habe ich statt mit Vlieseline mit Bügel-Volumenvlies bebügelt für etwas mehr Stand und Wärme. Der Kragen ist dadurch echt perfekt.

Der Fellrand ist im Schnittmuster nicht enthalten. Den habe ich mir selbst gebastelt. Der lässt sich mit Druckknöpfen abnehmen.

Die Knöpfe an der Reißverschlussblende habe ich weggelassen. Durch das Bügelvlies ist die Klappe stabil genug. Druckknöpfe kann ich nachträglich noch anbringen, aber zu den Knöpfen im Allgemeinen mehr im “Fazit”.

Die Schulterriegel habe ich weggelassen. Mich nervt das immer, wenn die Handtasche dran hängen bleibt oder der Riegelknopf aufgeht.

Ansicht abknöpfbare Fellkapuze hellblau mit Schnalle und Druckknöpfen von der Tosti Utility Jacket.

Stoffempfehlung

Nicht zu schwere oder dicke Jackenstoffe mit etwas Stand, sowie klassische Futterstoffe.

Ich hatte mir erst einen Moleskin Stoff (dicker Baumwollstoff für Handwerkerkleidung) in olivgrau gekauft, der allerdings durchgehend mit Knötchen behaftet ist. Der schied also schon mal aus, wobei mir das derbe Material an sich hervorragend für so eine Jacke gefallen hätte. Im Grunde wollte ich einen Funktionsstoff, der aber nicht danach aussieht, denn im Herbst und Winter ist eine wind- und wasserabweisende Jacke immer von Vorteil in unseren Breitengraden. So kam ich auf die Seite von aktivstoffe.de, wo es die vermutlich größte Auswahl an Funktionsstoffen in Deutschland gibt. Ich habe mich lange durch die verschiedenen Materialien geklickt und mich relativ schnell in den Seeland Stoff in taubenblau verliebt. Das Material an Stoffen und Futtermaterialien wurde mir von aktivstoffe.de für diese Jacke kostenlos zur Verfügung gestellt. Mein Testerherz klopfte freudig, als das Paket hier eintraf und der Seeland wirklich eine traumhafte Farbe hat.

Es gibt ihn insgesamt in 9 verschiedenen Farben.

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Der Stoff ist zum Glück sehr leicht und kostet nur 7,99 €/m, denn für die Tosti braucht man 3,3 – 3,5 m Außenstoff. Wenn der Stoff schwer ist wird die Jacke natürlich auch schwer. Letztendlich habe ich aber trotz Verlängerung mancher Schnittteile trotzdem nur ca. 3 m oder vielleicht sogar noch etwas weniger verbraucht. Da kommt es dann wahrscheinlich auch noch mal drauf an, für welche und wie viele Details man sich entscheidet sowie die Stoffbreite. Die Stoffverbrauchstabelle findest du oben in der grünen Grafik.

Der Stoff hat von außen eine tolle Optik und Haptik, ist aber von der Rückseite gummiert für die wind- und wasserabweisende Funktion. Anfangs hatte ich mit dem Stoff zu kämpfen, denn trotz Teflonfüßchens wollte die Naht nicht schön werden. Wenn ich rechts auf recht genäht habe verschob sich der obere Stoff immer gegen den unteren. Ich habe letztendlich alle re/re Nähte noch zusätzlich mit einer einzelnen Lage Küchenrolle unter dem Füßchen genäht. Abkleben des Füßchens mit Masking Tape hat auch nichts gebracht. Mit Küchenrolle wurde der Stoff hervorragend transportiert, hat aber insgesamt den Nähprozess erschwert. Die Absteppnähte wurden erst schön als ich sie mit einer Jeansnadel genäht habe. Ich habe dann einfach alles mit der Jeansnadel genäht.
Wenn man Nähte beim Seeland Stoff wieder auftrennt, bleiben kleine Einstichlöcher, die man zwar nur bei nahem Betrachten sieht, aber sie sind da.

Als Futter habe ich den Alaska Polarfleece genommen, der schön kuschelig warm ist. Die Wahl war aber nicht optimal, weil der Außenstoff fest und der Innenstoff dehnbar ist. Das birgt auch seine Tücken, weil dann das Futter etwas größer ist als der Außenstoff. Zum Füttern der Ärmel habe ich Futtertaft genommen. Als Zwischenlage habe ich erst Bügel-Volumenvlies ausprobiert, aber das war mir in der Schulter nix. Wieder aufgetrennt habe ich den Innenärmel dann noch mal aus Polarfleece zugeschnitten. Ganz optimal ist das auch nicht, weil der Ärmel ja eigentlich ein dünnes Futter vorsieht. Den Schnitt des Ärmels hätte ich eigentlich verbreitern müssen, aber hinterher ist man immer schlauer.

Hier noch einmal meine Tipps zur Verarbeitung des Seeland Stoffes in Kurzform:

  1. Nähe mit einer Jeansnadel
  2. Oberfaden: normales oder dickeres Absteppgarn
  3. Unterfaden immer normales Nähgarn, nie dickeres verwenden
  4. Beim Absteppen von rechts: normales Füßchen verwenden, Stichlänge 3,5
  5. Beim Nähen von links: eine dünne Lage Küchenrolle zwischen Stoff und Füßchen legen (das Teflon Füßchen hatte nicht den gewünschten Erfolg. Der Stoff hat sich beim Nähen immer gegeneinander verschoben), Stichlänge 3-3,5

Passform

Mit dem Fleece als Zwischenlage im Ärmel ist mir die Jacke in der Schulter zu eng. Zum Fahrradfahren hätte ich zu wenig Bewegungsspielraum. Ich hätte noch etwas Nahtzugabe im Ärmel, aber nachdem meine Geduld bei diesem Projekt wirklich sehr strapaziert wurde spare ich es mir für einen späteren Zeitpunkt auf, den Ärmel noch einmal rauszutrennen.

Die Rumpflänge habe ich gut gewählt, bei den Ärmeln hätte ich noch 2 cm mehr gebrauchen können. Hier vielleicht (irgendwann) noch ein Bündchen? Während ich das hier schreibe wird mir klar, dass ich wohl tatsächlich noch mal mit dem Nahttrenner an den Ärmel ran muss.

Tosti Nähanleitung (englisch)

Eine sensationelle Nähanleitung, so wie man sie von Yuki gewohnt ist. Ich habe letztes Jahr schon die Dropje Vest von ihr genäht. Jeder Schritt ist hervorragend illustriert, da übertrifft sie in grafischer Hinsicht alle anderen Ebooks, die ich bisher “in der Hand” hatte.

Nur bei der Verarbeitung der Reißverschlüsse z.B. bei der kleinen aufgesetzten Tasche am Ärmel bin ich anders vorgegangen. Dort soll man den Reißverschluss unternähen ohne den Schlitz zu verstürzen. Das habe ich probiert, aber das finde ich sehr unsauber an den Ecken. Daher habe ich dann lieber verstürzt, das geht genau so schnell und es sieht besser aus.

Kosten

Material Kosten
Schnittmuster 12,50 €
Seeland Stoff (Außenstoff)

Alaska Polarfleece (Futter)

Vlieseline (zum Verstärken)

Futtertaft (Ärmel)

Webpelz

28,00 € (7,99 €/m)

12,00 € (7,99 €/m)

4 € (1,99 €/m)

1,89 €

9,99 € (pro 10 cm)

Druckknöpfe (über ebay) 7,50 €
Reißverschluss 80 cm

3 Reißverschlüsse 15 cm

7,95 €

8,85 € (2,95 €/Stück)

Total 92,68 €

Fazit

Ich könnte an dieser Stelle sehr weit ausholen. Das Nähen der Jacke war echt ein Wechselbad der Gefühle, zwischenzeitlich habe ich das Projekt gehasst. Das Schlimme waren weder der etwas aufwändige Stoff oder Schnitt sondern mein Perfektionismus beim Nähen. Ich möchte nicht wissen, wie oft ich Nähte aufgetrennt und neu genäht habe. Bei der Ärmeltasche weiß ich es ganz genau, weil ich es in einer Instastory dokumentiert hatte. Vier mal hatte ich das Täschlein wieder neu zugeschnitten und neu genäht. Das darf man eigentlich keinem erzählen. Dafür bin ich jetzt aber auch zufrieden mit meinen Nähten.

Es lohnt sich auf jeden Fall, alle Materialien und Zubehör vor dem Nähen zu kaufen. So gut vorbereitet war ich nicht, was zwischendrin zu Verzögerungen führte. Denn wenn der Reißverschluss fehlt, kann man ab einem gewissen Punkt nicht mehr weiter nähen.

Mein wunder Punkt bei dieser Jacke waren die Druckknöpfe. Die sollten perfekt passen. Nicht glänzend und altsilber oder altbronze sollten sie sein. Bei ebay wurde ich fündig (den Artikel gibt es gerade nicht, sonst hätte ich ihn verlinkt). Ich habe auch nicht weiter darüber nachgedacht, dass die Prym-Zange möglicherweise nicht das passende Werkzeug sein könnte, auch wenn die Knöpfe mit 15 mm Durchmesser angegeben waren. Als ich also die ersten Druckknöpfe am Kragen für die abknöpfbare Kapuze einschlagen sollte, ging das nicht. Irgendwie fand ich dann aber in meinem Gerümpel irgendwo ein Werkzeug mit dem ich zumindest die “Nasen” der Druckknöpfe anbringen konnte. Hurra. Für das Gegenstück würde sich noch eine Lösung finden. Dachte ich.

Als es Zeit wurde, die Gegenstücke an der Kapuze anzubringen habe ich meine lieben Insta Follower nach Rat gefragt und ich folgte einem Tipp, zum Schuster zu gehen. Weder Schuster noch Änderungsschneider konnten mit ihren (ebenfalls Prym) Werkzeugen weiter helfen. Ich brauchte ein ALFA Werkzeug. Das hätte ich mir bei ebay für knapp 80 Euro kaufen können. Ich stand auf kurz davor als Rettung durch Ina nahte. Sie hatte das passende Werkzeug. Traumhaft einfach lassen sich mit einer Spindelpresse Druckknöpfe und Ösen anbringen. Aber, die Druckknöpfe hielten nicht. Sie sprangen wieder ab. Ich weiß mittlerweile auch, woran das liegt. Nicht an den Knöpfen, sondern daran, dass ich die “Nasen” mit dem falschen Werkzeug angebracht habe. Sie halten wunderbar, aber die “Nase” hatte sich leicht verformt und so fehlte den Druckknöpfen der Halt. Dank Pattex sind jetzt die Druckknöpfe miteinander verklebt. Für immer. Dann ist es halt keine abnehmbare Kapuze. Das ist mir eh nicht so wichtig und das Fell habe ich ja zusätzlich zum Abknöpfen gemacht.

Puh, was für ein Nähkrimi, oder? Ich bin jedenfalls happy mit meiner Tosti Utility Jacket und warte jetzt ein paar Monate bis zur nächsten. Mein nächstes Nähprojekt wird bestimmt etwas ganz einfaches.

Vielleicht eine Tosti Jacke aus Baumwolle?

Tosti Utility Jacket von Waffle Patterns selbst genäht mit Fellkapuze aus blauem Funktionsstoff.

Weitere Designbeispiele

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