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Alles, was du über Tencel wissen musst

Stoffe aus Tencel sind in letzter Zeit ein Neuzugang in vielen Shops, meistens in Form von feinem Twill, Batist oder Crêpe. Die schmiegsamen Bekleidungsstoffe haben einen schönen, schweren Fall, oft eine leicht samtige Oberfläche und erinnern an gewaschene Seide. Aber was ist Tencel überhaupt und wie wird der Stoff verarbeitet?

Tencel ist der Markenname für eine hochwertige Viskosefaser der österreichischen Lenzing AG. Wie Viskose besteht Tencel aus Zellulose, die aus dem Holz von schnellwachsenden Bäumen oder aus Bambus gewonnen wird.

Die Firma Lenzig hat das Herstellungsverfahren verbessert und ein Kreislaufsystem entwickelt, bei dem das Wasser und die verwendeten Chemikalien aufgefangen, gereinigt und fast komplett wiederverwertet werden. Das Holz stammt aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern, hauptsächlich aus Europa, die Fasern werden in Österreich und in Tschechien produziert.

Außerdem experimentiert Lenzing mit dem Upcycling von Baumwollstoffresten zu neuen Fasern. Im Moment können bis zu 30% Zuschnittreste aus der Bekleidungsindustrie zusätzlich zum Holz bei der Produktion von Tencelfasern recycelt werden. Das Material nennt sich dann Tencel Refibra, bisher gibt es das noch nicht als Meterware für Hobbyschneiderinnen. Auf lange Sicht soll auch abgelegte Baumwollkleidung aus dem Container als Rohmaterial für neue Fasern dienen.

 

Zur Tencel-Auswahl bei Pepelinchen

Aus den Tencel-Fasern werden schließlich alle möglichen Stoffarten hergestellt: Die feinen, gewebten Bekleidungsstoffe für Blusen, Kleider und weite Hosen aus 100% Tencel, die seit einiger Zeit neu in den Shops sind. Schon etwas länger gibt es Jersey aus Tencel, den man am besten mit Modaljersey vergleichen kann und der oft für Unterwäsche verwendet wird, weil die Tencelfasern besonders saugfähig und weich sind. Tencel wird aber auch anderen Fasern, zum Beispiel Wolle, beigemischt, um Stoffe für Outdoorbekleidung herzustellen und es ist sogar möglich, Jeansstoffe aus Tencelfasern zu weben.

Gegenüber herkömmlicher Viskose hat Tencel einige Vorteile:

  • die Qualität von Tencel ist immer gleich, während man bei Viskose ohne Herstellerangabe nie weiß, wie sich der Stoff beim Waschen und Tragen verhalten wird.
  • Tencel knittert weniger und ist formstabiler als normale Viskose.
  • Tencelstoffe sind haltbarer als normale Viskosestoffe, weil die Fasern auch im nassen Zustand sehr reißfest sind und ihre Form behalten.

Die Herstellung in Europa und die aufwendige Technologie, für die viel Forschung und Investitionen nötig waren, erklären den vergleichsweise hohen Preis, den man für Stoffe aus Tencel im Vergleich zu einfacher Viskose ausgeben muss – dafür kann man aber auch sicher sein, dass sich das Nähen lohnt und die genähten Sachen lange schön bleiben.

 

Nähen mit Tencel

Beim Nähen unterscheiden sich Stoffe aus Tencel nicht von Viskose, sie sind eher etwas robuster und weniger flutschig. Tencel bei 30 Grad vorwaschen, aber nicht in den Trockner geben. Falls der Tencel-Stoff eine „sandgewaschene“, matt-samtige Optik hat, sollte er mit dem Schonprogramm gewaschen und nur wenig geschleudert werden, weil sich sonst leicht blanke Streifen bilden – das hat aber mit der Oberflächenbehandlung zu tun, nicht mit dem Material an sich.

Das Zuschneiden und Nähen richtet sich in erster Linie nach der Stoffart, nicht nach dem Material: Batist, Crêpe und feiner Twill eventuell auf einem Laken als Unterlage zuschneiden, damit der Stoff dabei nicht verrutscht. Verwende bei Nähen eine neue, spitze Nadel (60er oder 70er) und sichere Partien im schrägen Fadenlauf wie zum Beispiel Hals- und Armausschnitte frühzeitig mit einer Stütznaht oder aufgebügelten Einlagestreifen gegen Ausdehnen. Tenceljersey mit einer feinen Jerseynadel nähen, am besten mit der Overlock. Dickere, robuste Stoffe wie Sweat oder Denim aus Tencel genau wie die entsprechenden Stoffe aus Baumwolle nähen.
Bügeln kann man Tencel mit der „Wolle“-Einstellung des Bügeleisens (zwei Punkte, 160° Grad).

Dieser Artikel wurde von unserer Gastautorin Constanze Derham verfasst.

Constanze Derham ist die Autorin des “Stoff und Faden” Materiallexikons, einem Buch das in jede Näh-Bibliothek gehört! Du wolltest schon immer mal wissen, wie ein bestimmter Stoff gewebt, gewaschen oder vernäht wird? Welche Stoffe sich für welche Schnitte eignen, uvm? Genau solchen Fragen widmet sich Constanze als Stoff-Expertin u.a. auf dem Elle Puls Blog.

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